Unser Leitbild

Unsere pädagogische Arbeit basiert auf einem humanistischen und interaktionistischen Menschenbild. Humanistisch bedeutet für uns, dass der Mensch eine psychobiologische Einheit mit emotionalen, sozialen, geistigen und körperlichen Bedürfnissen ist. Um eine positive Persönlichkeitsentwicklung zu gewährleisten, müssen diese wahrgenommen und angemessen befriedigt werden. Zu den Bedürfnissen im Jugendalter zählen wir insbesondere die Bedürfnisse nach Freiheit und Selbstbestimmung, Identität, Gemeinschaft und Selbstverwirklichung.


Dazu gehört auch der Wunsch nach Selbstwirksamkeit, die sich im Bestreben nach kreativer Veränderung und Mitgestaltung der Umwelt äussern kann. Ein zufriedenes, als sinnhaft empfundenes Leben beinhaltet für uns die Verbindung zur Gemeinschaft, individuelle Entwicklung und das Erleben einer verbindenden Existenz. Dies setzt eine ausgewogene Beziehung zur Umgebung und zu sich selbst voraus. Jeder Mensch ist in seiner Persönlichkeit einzigartig. Daraus erwächst für uns die Verpflichtung, ihm Achtung entgegenzubringen.


Unter interaktionistisch verstehen wir, dass sich die Entwicklung des Menschen in einer Wechselwirkung zwischen Umweltfaktoren und individuellem Erleben vollzieht. Als Individuen werden wir von Bedingungen und Einflüssen unserer Umgebung geprägt. Aufgrund von Intellekt, Entscheidungsfreiheit und einer Auseinandersetzung mit dem, was uns begegnet, haben wir jedoch die Möglichkeit, individuell auf diese Bedingungen zu reagieren und somit unsere Entwicklung mitzugestalten.


Bei den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, an die sich unser Angebot richtet, sind viele Kompetenzen nicht ausreichend entwickelt, so dass sie kommunikative, emotionale und soziale Defizite zeigen. Damit gelingt es ihnen nur schwer oder gar nicht, ihre Entwicklung in befriedigender Art und Weise mitzugestalten. Hier liegt unsere Aufgabe. Wir können günstige Entwicklungsbedingungen schaffen und wichtige Lernprozesse ermöglichen. Damit kann die Freisetzung des individuellen Persönlichkeitspotentials sowie die Ich-Stärkung der uns anvertrauten jungen Menschen gefördert werden.


Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen durch ihre Bezugspersonen Wertschätzung, Geborgenheit, Zuverlässigkeit und Sicherheit erleben dürfen. Ihnen soll echtes Interesse und die Anerkennung ihrer wachsenden Autonomie zur Bildung eines positiven Selbstbildes und einer starken und eigenständigen Persönlichkeit zuteilwerden. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, sowohl positive als auch negative Gefühle zuzulassen und zu lernen, mit Empfindungen wie Freude, Glück und Wohlbefinden ebenso umzugehen wie mit Angst, Enttäuschung, Wut und Trauer.


Aufgabe der Eltern und in unserem Fall der Pflegeeltern ist es, den Kindern, den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen die dazu nötige Anregung und Unterstützung zu bieten. Nicht nur den jungen Menschen, auch ihren Familien begegnen wir mit Achtung und politischer wie auch konfessioneller Neutralität.